Haltbar oder nicht mehr sicher? So unterscheiden Sie MHD und PAO bei Pflegekosmetik
Pflegekosmetik sitzt direkt auf Ihrer Haut – entsprechend entscheidend ist die Frage, wie lange ein Produkt wirklich sicher verwendet werden kann. Auf Tiegeln, Tuben und Flaschen tauchen dazu meist zwei Angaben auf: ein Mindesthaltbarkeitsdatum und ein kleines geöffnetes Tiegelsymbol mit einer Zahl, die sogenannte „Period After Opening“ (PAO). Beides wirkt auf den ersten Blick ähnlich, bezeichnet aber zwei unterschiedliche Dinge. Im Folgenden geht es darum, wie Sie diese Angaben richtig einordnen, was sie für Ihre Anwendung bedeuten – und woran Sie unabhängig davon erkennen, wann es Zeit ist, ein Produkt besser wegzuwerfen.
Was Mindesthaltbarkeitsdatum und PAO wirklich aussagen
Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist ein konkretes Datum, etwa „12/2026“. Es beschreibt, bis wann ein ungeöffnetes Produkt bei üblicher, sachgerechter Lagerung seine typischen Eigenschaften behalten soll – also Konsistenz, Geruch und Wirkung in einem vorher definierten Rahmen. Diese Angabe ist vor allem bei Produkten relevant, die insgesamt weniger als 30 Monate haltbar sind.
Die PAO („Period After Opening“) erkennen Sie an einem kleinen geöffneten Cremetiegel mit einer Zahl und einem „M“, etwa „6M“ oder „12M“. Diese Zahl gibt an, für wie viele Monate ein Produkt nach dem ersten Öffnen unter normaler Nutzung als stabil und sicher gilt.
In Kurzform:
- MHD = Haltbarkeit ungeöffnet
- PAO = Haltbarkeit ab dem Öffnen
Beide Angaben greifen ineinander und stecken den Zeitraum ab, in dem ein Produkt nach aktuellen Prüfstandards als qualitativ in Ordnung und sicher gilt – vorausgesetzt, es wird normal verwendet und korrekt gelagert.
So lesen Sie Haltbarkeitsangaben im Alltag richtig
Für den Alltag reicht meistens ein kurzer Blick auf die Verpackung:
Ungeöffnete Produkte:
Hier ist das MHD entscheidend. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte die Qualität bei typischer Lagerung erhalten bleiben. Danach ist das Produkt nicht automatisch schlecht, aber nicht mehr garantiert stabil.
Geöffnete Produkte:
Ab dem ersten Öffnen läuft die PAO. Sinnvoll ist ein kleines Datum auf der Rückseite oder auf einem Aufkleber, damit Sie später nachvollziehen können, wann die „Uhr“ gestartet ist.
Produkte nur mit PAO-Angabe:
Bei Kosmetik, die grundsätzlich länger als 30 Monate haltbar ist, kann das MHD entfallen. In diesem Fall orientieren Sie sich ausschließlich an der PAO – gerechnet ab dem ersten Öffnen.
Daneben gilt: Umgang und Lagerung haben erheblichen Einfluss auf die tatsächliche Haltbarkeit. Ein sauber benutzter, kühl gelagerter Tiegel verhält sich anders als ein Produkt, das im Sommerhalbjahr offen am sonnigen Fensterbrett steht.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Ein paar Missverständnisse begegnen immer wieder:
„Ungeöffnet nach MHD ist automatisch gefährlich“
Nach Ablauf des MHD übernimmt der Hersteller für bestimmte Produkteigenschaften keine Garantie mehr. Das bedeutet nicht zwingend, dass der Inhalt verdorben ist, aber dass Sie ihn kritisch prüfen sollten: Riecht das Produkt ungewohnt? Hat sich die Farbe verändert, ist es schlierig oder stark getrennt? Wenn Sie unsicher sind, besser entsorgen.
„PAO gilt unabhängig vom MHD“
MHD und PAO stehen nicht nebeneinander im luftleeren Raum. Maßgeblich ist, was zuerst endet: MHD oder PAO. Ist eines von beiden überschritten, steigt das Risiko für Qualitätsverlust. Sind beide abgelaufen, ist das ein deutliches Signal zum Wegwerfen.
„Naturkosmetik hält genauso lange wie jede andere“
Formulierungen mit wenig oder ganz ohne klassische Konservierungsstoffe können empfindlicher sein. Sie reagieren schneller auf Keime, Hitze und Feuchtigkeit. Hier sind saubere Entnahme und eher kühle, trockene Lagerung besonders wichtig.
„Wenn es noch gut aussieht, ist es sicher“
Nicht jede Veränderung ist sichtbar oder sofort riechbar. Gerade bei Produkten, die sehr nah ans Auge kommen oder auf ohnehin gereizte Hautstellen aufgetragen werden, ist Zurückhaltung sinnvoller als „es wird schon noch gehen“.
Praktische Tipps für lange, sichere Produktnutzung
Mit ein paar Gewohnheiten verlängern Sie die praktisch nutzbare Zeit Ihrer Produkte – ohne dabei Sicherheitsreserven zu verspielen:
Sauber entnehmen:
Nutzen Sie saubere Hände oder einen Spatel. Ungewaschene Finger bringen Schmutz und Keime direkt in den Tiegel.
Ordentlich verschließen:
Deckel nach Gebrauch sofort fest schließen. So begrenzen Sie den Kontakt mit Luft, Feuchtigkeit und Staub.
Passend lagern:
- eher kühl bis zimmerkühl
- trocken
- ohne direkte Sonneneinstrahlung (Fensterbank im Bad ist häufig ungünstig)
Veränderungen ernst nehmen:
Riecht eine Creme plötzlich ranzig, hat sich die Farbe deutlich verschoben, flockt etwas aus oder trennt sich in wässrige und fettige Phase, gehört das Produkt in den Müll – auch wenn die PAO theoretisch noch läuft.
Empfindliche Bereiche extra schützen:
Produkte für die Augenpartie oder stark sensibilisierte Haut sollten möglichst frisch sein. Wenn hier Zweifel aufkommen, ist „lieber weg damit“ die vernünftigere Entscheidung.
Kurz zusammengefasst
Das Mindesthaltbarkeitsdatum beschreibt den Zeitraum, in dem ein ungeöffnetes Pflegeprodukt seine Qualität behalten soll. Die PAO gibt an, wie lange das Produkt nach dem Öffnen verwendet werden sollte. Beide Werte sind Richtgrößen, die von normaler Lagerung ausgehen. Darüber hinaus zählen Ihre Sinne: Wenn ein Produkt deutlich anders riecht, aussieht oder sich anfühlt als gewohnt, ist es – besonders bei überschrittenem MHD oder abgelaufener PAO – sicherer, es nicht mehr zu verwenden.