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Was bedeutet ‚nicht komedogen‘, ‚hypoallergen‘ oder ‚dermatologisch getestet‘ auf Kosmetikprodukten wirklich?

Was Kosmetik-Labels wirklich bedeuten: „nicht komedogen“, „hypoallergen“ & „dermatologisch getestet“

Auf vielen Kosmetikprodukten stehen Versprechen wie „nicht komedogen“, „hypoallergen“ oder „dermatologisch getestet“. Das klingt nach Sicherheit und wissenschaftlicher Prüfung – aber wie belastbar sind diese Begriffe tatsächlich? Sind sie geschützt, klar definiert oder am Ende vor allem Marketing? Und können sie Ihnen wirklich helfen, passende Produkte für Ihre Haut auszuwählen?

Im Folgenden geht es darum, was diese Bezeichnungen konkret aussagen, wo ihre Grenzen liegen und wie Sie sie im Alltag sinnvoll einordnen können. So haben Sie mehr als nur ein gutes Gefühl – nämlich echte Anhaltspunkte für Ihre Entscheidungen.


Was hinter den gängigen Beauty-Begriffen tatsächlich steckt

„Nicht komedogen“ – gedacht für zu Unreinheiten neigende Haut

„Nicht komedogen“ heißt wörtlich: Es soll keine Komedonen (Mitesser) begünstigen.

Praktisch bedeutet das:

  • Die Rezeptur ist so aufgebaut, dass sie tendenziell weniger dazu neigt, Poren zu verstopfen.
  • Bestimmte Inhaltsstoffe, die im Verdacht stehen, eher Komedonen zu fördern, werden gemieden oder nur in begrenzter Menge eingesetzt.

Worauf Sie sich dabei nicht verlassen sollten:

  • Der Begriff ist rechtlich nicht einheitlich definiert.
  • Es gibt keine zentrale, verbindliche Prüfmethode, die alle Hersteller nutzen müssen.
  • Ob Ihre Haut mit Unreinheiten reagiert, hängt nicht nur vom Produkt, sondern von Ihrem Hauttyp, Ihrer gesamten Pflegeroutine, Hormonen, Lebensstil und anderen Faktoren ab.

„Nicht komedogen“ beschreibt daher eher eine formulierungstechnische Absicht als eine verlässliche Zusage, dass Sie keine Pickel oder Mitesser bekommen.

„Hypoallergen“ – weniger Risiko, aber keineswegs null

„Hypoallergen“ signalisiert: Dieses Produkt soll ein geringeres Allergierisiko haben.

Typischerweise heißt das:

  • Häufige Allergieauslöser werden reduziert oder ganz weggelassen.
  • Die Anzahl der Inhaltsstoffe wird oft begrenzt, auf bestimmte Duftstoffe wird verzichtet.

Trotzdem gilt:

  • Der Begriff ist rechtlich nicht scharf definiert.
  • Eine allergische Reaktion kann nie vollständig ausgeschlossen werden.
  • Menschen mit sehr empfindlicher Haut oder bereits bestehenden Allergien können weiterhin reagieren – manchmal sogar stärker.

„Hypoallergen“ meint also: Das Risiko soll verringert werden, nicht eliminiert. Wer bereits Allergien hat, sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen.

„Dermatologisch getestet“ – eine Aussage mit viel Spielraum

„Dermatologisch getestet“ klingt nach strenger Prüfung. Gemeint ist zunächst nur: Das Produkt wurde an der Haut von Menschen getestet, und es waren Personen mit dermatologischer Expertise beteiligt.

Was diese Aussage nicht automatisch beinhaltet:

  • Es ist nicht festgelegt, mit wie vielen Testpersonen gearbeitet wurde.
  • Die Testart (z. B. einmaliger Reiztest, längere Anwendungsbeobachtung) ist nicht standardisiert.
  • Weder die Bewertung noch die Formulierung des Ergebnisses werden zentral kontrolliert.

Die Formulierung sagt also vor allem: Es gab irgendeine Art von Hauttest. Wie aussagekräftig dieser Test war, wie streng die Kriterien waren und wie repräsentativ die Testgruppe ist, bleibt offen.


So können Sie solche Begriffe im Alltag sinnvoll nutzen

Statt sich von Labels beruhigen zu lassen, lohnt ein differenzierter Blick:

  1. Eigene Haut kennen
    Neigt Ihre Haut eher zu Unreinheiten, Rötungen, Schuppung, Spannungsgefühl? Davon hängt ab, ob „nicht komedogen“ oder „hypoallergen“ für Sie wirklich einen Mehrwert bietet – oder eher zweitrangig ist.

  2. Inhaltsstoffe lesen
    Die INCI-Liste ist ehrlicher als jeder Slogan. Mit der Zeit erkennen Sie Muster: Welche Texturen und Stoffe tun Ihrer Haut gut, welche eher nicht? Das ist mühsamer als auf ein Label zu schauen, aber langfristig deutlich zuverlässiger.

  3. Neue Produkte langsam einführen
    Nutzen Sie neue Produkte zunächst punktuell oder an einer kleinen Körperstelle – ein paar Tage am Stück. So merken Sie früher, ob Ihre Haut irritiert reagiert, ohne gleich das ganze Gesicht in Mitleidenschaft zu ziehen.

  4. Auf Ihre eigene Haut hören
    Am Ende zählt nicht, was auf der Verpackung steht, sondern wie Ihre Haut darauf reagiert. Ein „hypoallergenes“ Produkt kann bei Ihnen Probleme machen, ein unspektakulär gelabeltes Produkt kann perfekt funktionieren.


Häufige Missverständnisse und wie Sie sie vermeiden

Missverständnis 1: „Nicht komedogen“ = keine Pickel mehr
Unreinheiten können durch Hormone, Ernährung, Medikamente, Stress, Okklusion (z. B. eng anliegende Masken) oder andere Pflegeprodukte entstehen. Eine „nicht komedogene“ Formulierung kann das Risiko beeinflussen, aber nicht alle Ursachen aushebeln.

Missverständnis 2: „Hypoallergen“ = völlig allergiefrei
Auch stark reduzierte Formulierungen können Allergien auslösen – insbesondere bei Personen, die bereits sensibilisiert sind. Wer bekannte Kontaktallergien hat (z. B. auf bestimmte Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Metalle), sollte gezielt auf die INCI-Liste achten und nicht nur auf das Label „hypoallergen“.

Missverständnis 3: „Dermatologisch getestet“ = unabhängige, strenge Prüfung
Der Begriff verrät nichts über Unabhängigkeit, Studiendesign oder Qualitätsstandards. Er ist eher ein Hinweis darauf, dass eine Verträglichkeitsprüfung stattgefunden hat – kein Qualitätssiegel im engeren Sinne.

Missverständnis 4: Ein Begriff passt für alle Hauttypen
Haut ist individuell. Was für eine Person mit robuster Mischhaut optimal ist, kann bei sehr trockener, barierregestörter oder rosazeagefährdeter Haut schnell zu viel sein – Labels hin oder her.


Praktische Strategien für eine sichere Produktauswahl

  • Weniger ist oft mehr
    Gerade bei empfindlicher oder reaktiver Haut sind einfache Formulierungen mit wenigen, gut nachvollziehbaren Inhaltsstoffen häufig besser verträglich als Produkte mit sehr vielen aktiven Substanzen.

  • Produkte nacheinander testen
    Wenn Sie Ihre Routine umstellen wollen, verändern Sie möglichst nur ein Produkt auf einmal. So können Sie Reaktionen klar zuordnen, statt im Dunkeln zu tappen.

  • Auf Hautsignale achten
    Brennen, Jucken, starkes Spannen, plötzliche Rötungen oder verschlechternde Unreinheiten sind Alarmsignale. Dann ist ein Absetzen sinnvoll – unabhängig von allen Versprechen auf der Verpackung.

  • Bei anhaltenden Problemen fachlichen Rat einholen
    Wenn Ihre Haut immer wieder reagiert oder Sie bestimmte Inhaltsstoffe nicht einschätzen können, ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll. Gerade bei Verdacht auf Allergien oder chronische Hauterkrankungen reicht „Ausprobieren“ alleine irgendwann nicht mehr aus.


Kurz zusammengefasst

Bezeichnungen wie „nicht komedogen“, „hypoallergen“ und „dermatologisch getestet“ können eine grobe Orientierung geben, sind aber keine verlässlichen Gütesiegel. Sie sind nicht streng einheitlich geregelt und bieten keine Garantie gegen Unreinheiten, Reizungen oder Allergien.

Verlässlicher als jedes Label ist eine Kombination aus:

  • grundlegendem Verständnis für die eigene Haut,
  • Blick auf die Inhaltsstoffe und
  • schrittweisem, aufmerksamem Testen neuer Produkte.

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