Reizende Inhaltsstoffe im Blick: So erkennen Sie Duft- und Konservierungsstoffe im INCI-Verzeichnis
Warum es sich lohnt, einen genaueren Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen
Ob Creme, Serum oder Duschgel – in den meisten Pflegeprodukten stecken Duft- und Konservierungsstoffe. Sie sorgen dafür, dass etwas gut riecht, sich angenehm anfühlt und nicht verdirbt. Für empfindliche oder vorgeschädigte Haut können genau diese Stoffe aber zum Problem werden: Sie fördern Irritationen, Brennen oder Rötungen, in manchen Fällen auch Allergien.
Wer seine Haut gezielter schützen möchte, profitiert davon, typische Problemkandidaten zu kennen und sie in der Inhaltsstoffliste (INCI) wiederzuerkennen. In diesem Artikel geht es darum, welche Duft- und Konservierungsstoffe als potenziell reizend gelten – und wie Sie sie im Alltag in Ihren Produkten ausfindig machen.
Was sich hinter Duft- und Konservierungsstoffen in Kosmetik wirklich verbirgt
Duftstoffe haben im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie sollen das Produkt angenehm riechen lassen und den oft wenig attraktiven Eigengeruch der Rezeptur überdecken. Konservierungsstoffe sind zuständig für die hygienische Sicherheit – sie halten Bakterien, Schimmel und andere Keime in Schach.
Die Schwierigkeit:
Genau diese Gruppen gehören zu den Inhaltsstoffen, die bei sensibler Haut besonders häufig mit Irritationen, Brennen, Rötungen oder Kontaktallergien in Verbindung gebracht werden. Das heißt nicht, dass sie automatisch „schlecht“ sind oder bei jeder Person Probleme machen. Aber wer eine empfindliche Hautbarriere hat oder bereits zu Unverträglichkeiten neigt, sollte sie zumindest einordnen können.
Im INCI-Verzeichnis (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) sind alle Inhaltsstoffe eines Produkts in einer standardisierten Fachsprache aufgeführt. Duft- und Konservierungsstoffe lassen sich meist daran erkennen, dass sie
- oft in sehr geringen Mengen weiter unten in der Liste stehen
- typische Wortfragmente tragen (z. B. „-paraben“, „-zolinone“ oder bei Duftstoffen Endungen wie „-al“, „-ol“, „-one“)
- teilweise als Sammelbegriff, teilweise mit konkreten Namen erscheinen
Duftstoffe, die sensibler Haut Probleme machen können
Duftstoffe können aus natürlichen ätherischen Ölen stammen oder vollständig synthetisch hergestellt werden. Für die Haut macht das in Bezug auf Reizpotenzial weniger Unterschied, als oft angenommen wird – beides kann irritierend wirken.
Einige Duftstoffe sind in der EU deklarationspflichtig, weil sie vergleichsweise häufig Allergien auslösen. Typische Vertreter sind zum Beispiel:
- Limonene
- Linalool
- Citral
- Geraniol
- Coumarin
- Eugenol
- Citronellol
- Benzyl Alcohol (kann sowohl Duftstoff als auch Konservierungsstoff sein)
- Farnesol
- Benzyl Salicylate, Benzyl Benzoate, Cinnamal
In der INCI-Liste finden Sie sie meist im unteren Bereich. Zusätzlich taucht häufig der Sammelbegriff Parfum oder Fragrance auf. Dahinter verbirgt sich eine Duftstoffmischung, deren einzelne Bestandteile meist nicht aufgeschlüsselt werden.
Wer sehr sensible, gereizte oder bereits entzündliche Haut hat, fährt oft besser damit, Produkte mit „Parfum/Fragrance“ entweder ganz zu meiden oder nur auf solche zurückzugreifen, die gut getestet und individuell erprobt sind.
Konservierungsstoffe mit Reizpotenzial: Worauf empfindliche Haut achten sollte
Konservierungsstoffe sind nicht optional, sondern notwendig, damit ein Produkt über die gesamte Nutzungsdauer hygienisch sicher bleibt. Problematisch wird es dort, wo einzelne Stoffgruppen häufiger mit Irritationen oder Kontaktallergien in Verbindung gebracht werden.
Typische Beispiele, die Ihnen in der INCI-Liste begegnen können:
Isothiazolinone (in vielen Bereichen inzwischen eingeschränkt oder streng reguliert):
- Methylisothiazolinone (MI)
- Methylchloroisothiazolinone (MCI)
Formaldehydabspalter (sie setzen in geringen Mengen Formaldehyd frei, das sensibilisierend wirken kann):
- erkennbar z. B. an Bezeichnungen wie Imidazolidinyl Urea, Diazolidinyl Urea, DMDM Hydantoin, Quaternium-15
Parabene:
- gut zu erkennen an der Endung -paraben, etwa Methylparaben, Propylparaben, Butylparaben
Weitere häufig verwendete Konservierungsstoffe (teilweise mit mehreren Funktionen in der Formulierung):
- Phenoxyethanol
- Chlorphenesin
- Sodium Benzoate
- Potassium Sorbate
Viele Menschen vertragen diese Stoffe problemlos – sie werden in gesetzlich festgelegten Höchstkonzentrationen eingesetzt. Wenn die Hautbarriere jedoch bereits gestört ist, die Haut sehr trocken, gerötet oder anderweitig gereizt, kann die Kombination mehrerer solcher Komponenten das Risiko für Reaktionen erhöhen. Dann lohnt es sich, genauer hinzusehen, wie „aufwendig“ ein Produkt konserviert ist.
So lesen Sie das INCI-Verzeichnis gezielt – Schritt für Schritt
1. INCI-Liste finden
Die Inhaltsstoffe stehen meist auf der Produktverpackung, der Umverpackung oder einem Beileger. Suchen Sie nach „Ingredients“ oder „Inhaltsstoffe“. Dort beginnt die eigentliche Liste.
2. Reihenfolge verstehen
Die Reihenfolge ist nicht zufällig, sondern richtet sich nach der Konzentration im Produkt:
- Oben stehen die Basisbestandteile wie Wasser, Öle, Emulgatoren, Wirkstoffe.
- Duft- und Konservierungsstoffe finden sich meist weiter unten, weil sie in deutlich geringeren Mengen eingesetzt werden.
3. Gezielt nach Schlüsselwörtern suchen
Bei Duftstoffen lohnt der Blick auf Parfum/Fragrance sowie die genannten Einzelduftstoffe wie Limonene, Linalool, Citral usw.
Bei Konservierungsstoffen helfen Ihnen typische Endungen und Begriffe:
- -paraben
- -zolinone
- Bezeichnungen mit Urea in Verbindung mit speziellen Namen (z. B. Imidazolidinyl Urea)
- Einzelstoffe wie Phenoxyethanol, Sodium Benzoate, Potassium Sorbate
4. Eigenes Reaktionsmuster beobachten
Vertragen Sie ein Produkt nicht, lohnt es sich, die Inhaltsstoffliste zu fotografieren oder zu notieren. Tauchen bestimmte Stoffe bei verschiedenen „Problemprodukten“ immer wieder auf, haben Sie einen ersten Verdacht und können gezielter meiden.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch reizarm
Ätherische Öle und andere natürliche Duftstoffe haben ein „grünes“ Image, können aber genauso – und mitunter stärker – irritieren wie synthetische Duftstoffe. Begriffe wie „pflanzlich“, „botanisch“ oder „natürlich“ sagen nichts darüber aus, wie verträglich eine Formulierung für sensible Haut ist.
Nur auf „ohne Parabene“ zu achten, reicht nicht
Produkte, die mit „parabenfrei“ werben, nutzen in der Regel andere Konservierungssysteme. Auch diese können irritierend sein. Entscheidend ist nicht ein einzelner vermiedener Begriff, sondern das Gesamtbild der Konservierung und der übrigen Inhaltsstoffe.
„Unbeduftet“ ist nicht immer gleich duftstofffrei
„Ohne Parfum“ kann zweierlei bedeuten: entweder kein wahrnehmbarer Duft oder tatsächlich keine Duftstoffe. Manche Produkte enthalten Duftstoffe in so niedriger Dosierung, dass sie nicht riechbar sind, die Haut aber dennoch reizen können. Wirklich duftstofffreie Produkte sind meist explizit als „ohne Duftstoffe“ gekennzeichnet. In der INCI-Liste sollten dann weder „Parfum/Fragrance“ noch deklarationspflichtige Duftstoffe auftauchen.
Erprobte Tipps, mit denen Sie Ihre Haut schützen
- Je sensibler die Haut, desto reduzierter das Produkt: Kurze, übersichtliche INCI-Listen machen es leichter, Reizstoffe zu erkennen – und bergen erfahrungsgemäß weniger Risiko für Ärger.
- Neues langsam integrieren: Ein neues Produkt idealerweise zunächst an einer kleinen Hautstelle testen und ein bis zwei Tage abwarten, bevor es großflächig zum Einsatz kommt.
- Kombinationen im Blick behalten: Mehrere stark parfümierte Produkte übereinander (Reinigung, Serum, Creme, Make-up) summieren das Reizpotenzial. Weniger ist hier oft mehr.
- Den Hautzustand berücksichtigen: In Phasen mit stark trockener, entzündlicher oder geschädigter Haut reagiert die Barriere empfindlicher. Dann können sonst gut verträgliche Duft- oder Konservierungsstoffe plötzlich Probleme bereiten.
- Bei wiederkehrenden Reaktionen Fachleute einschalten: Treten ähnliche Beschwerden immer wieder auf, kann eine dermatologische Abklärung (z. B. Epikutantest) helfen, konkrete Auslöser zu identifizieren.
Kurz zusammengefasst
Duft- und Konservierungsstoffe sind in Kosmetik sinnvoll, können aber bei empfindlicher Haut zum limitierenden Faktor werden. Wer seine Haut schützen will, muss sie nicht komplett meiden, sollte ihre Namen aber kennen und die INCI-Liste bewusst lesen.
Je klarer und reduzierter ein Produkt aufgebaut ist und je besser Sie Ihre eigene Haut kennen, desto leichter finden Sie eine Pflegeroutine, die funktioniert – mit so wenig unnötiger Reizung wie möglich.