Feminin, maskulin, unisex: Wie Sie die „Zielgruppe“ eines Dufts wirklich erkennen
Parfums werden seit Jahrzehnten in „für Sie“ und „für Ihn“ einsortiert. Im Alltag merkt man allerdings schnell: Düfte halten sich kaum an diese Schubladen. Vielleicht fragen Sie sich, woran Sie überhaupt erkennen sollen, ob ein Parfum eher feminin oder maskulin gemeint ist – und ob Unisex-Düfte eine sinnvolle Alternative darstellen. Dieser Text ordnet typische Duftcodes ein, erklärt, was dahintersteckt, und zeigt, warum am Ende vor allem Ihre eigene Nase den Ausschlag gibt.
Warum Düfte als „weiblich“ oder „männlich“ wahrgenommen werden
Ob ein Duft als feminin oder maskulin gilt, ist vor allem kulturell geprägt – nicht biologisch.
In westlichen Märkten haben sich bestimmte Zuordnungen etabliert:
- Als eher „feminin“ gelesen werden meist: blumige Akkorde (z. B. Rose, Jasmin), süße Noten (Vanille, Karamell), fruchtige Facetten (Beeren, Pfirsich) sowie cremige oder pudrige Anklänge.
- Als eher „maskulin“ gelesen gelten häufig: holzige Noten (Zeder, Sandelholz), trockene, würzige Nuancen (Pfeffer, Muskat), aromatische Kräuter (Lavendel, Rosmarin) und frische Kompositionen im Stil klassischer Barbershops.
Diese Einteilung ist historisch gewachsen und marketinggetrieben. Es gibt keine wissenschaftliche Instanz, die festlegt, dass eine Note nur „für Frauen“ oder nur „für Männer“ geeignet wäre. Viele vermeintliche „Herrendüfte“ arbeiten deutlich mit Blüten, viele „Damendüfte“ stützen sich auf Hölzer, Harze und Rauch.
Woran Sie trotzdem erkennen, wie ein Duft ursprünglich gedacht war:
- Aufmachung: Farbwelt, Flakonform und Bildsprache auf Verpackung und Anzeigen zielen fast immer klar auf ein Geschlecht.
- Beschreibung: Formulierungen wie „für Sie“, „für Ihn“, „intensiv männlich“, „ultra feminin“ signalisieren die gewünschte Zielgruppe.
- Duftpyramide: Blumig-süße Schwerpunkte vs. holzig-würzige – die Gewichtung der Noten folgt oft vertrauten Klischees.
So finden Sie heraus, ob ein Duft zu Ihnen passt – unabhängig vom Etikett
Die Einteilung in „Damen-“ und „Herrenduft“ ist organisatorisch praktisch, aber für die persönliche Auswahl kaum hilfreich. Sinnvoller ist ein direkter Zugang.
1. Auf die Duftfamilie achten
Schauen Sie, ob der Duft als blumig, holzig, orientalisch/warm, zitrisch oder frisch beschrieben wird. Fragen Sie sich: Passt diese Stimmung zu Ihnen, zu Ihrer Art, sich zu kleiden, zu Ihrem Alltag?
2. Auf der Haut testen
Ein Parfum lebt auf der Haut – nicht auf Papier. Tragen Sie es auf Handgelenk oder Unterarm auf, lassen Sie mindestens 30 Minuten vergehen und achten Sie auf:
- die ersten Eindrücke direkt nach dem Aufsprühen (Kopfnote)
- die Entwicklung nach einigen Minuten (Herznote)
- das, was nach ein bis zwei Stunden übrig bleibt (Basisnote)
Dieser Verlauf sagt mehr über den Duft aus als der erste Sprühstoß.
3. Nutzungskontext mitdenken
Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie den Duft tragen möchten:
- Büro und Alltag: eher dezent, transparent, frisch oder weich
- Abend, Dinner, Events: gerne intensiver, dichter, wärmer oder würziger
- Sport, Freizeit, Urlaub: luftige, spritzige Kompositionen, die nicht beschweren
4. Ihr Komfort ist der Maßstab
Wenn Sie sich mit einem Duft stimmig fühlen, wenn er Ihre Präsenz unterstützt, passt er – unabhängig vom Label, von der Abteilung im Laden oder der Werbekampagne.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie umgehen
Zu viel Gewicht auf dem Etikett
„Für Männer“ oder „für Frauen“ verrät vor allem etwas über die Marketingabteilung, nicht darüber, ob ein Duft Ihnen steht. Konzentrieren Sie sich lieber auf Noten, Charakter und Tragegefühl.
Entscheidung nur nach Teststreifen
Papier gibt einen ersten Eindruck, aber keine verlässliche Aussage. Auf der Haut verändern Körperwärme, Hautchemie und Pflegeprodukte den Duft – ein Parfum, das auf dem Streifen fein wirkt, kann auf der Haut schnell zu süß, zu laut oder zu flach werden.
Unisex mit „beliebig“ verwechseln
Unisex bedeutet nicht automatisch neutral oder langweilig. Meist sind diese Düfte so komponiert, dass sie verschiedenste Träger:innen mitnehmen – häufig mit klaren, frischen, holzigen oder cremigen Akkorden, die nicht in die extreme Süße oder in harte Rasierwasser-Anmutungen kippen.
Zu viele Tests auf einmal
Die Nase ermüdet schnell. Nach wenigen Düften verschwimmen Eindrücke. Drei bis vier Parfums bewusst zu testen ist sinnvoller, als zehn Varianten in kurzer Folge zu überfliegen.
Unisex-Düfte als entspannte Alternative zu starren Kategorien
Unisex-Düfte richten sich explizit an alle Geschlechter und setzen meist auf ausbalancierte Kompositionen:
- Typische Bausteine: Zitrusfrüchte, grüne Noten, leichte Hölzer, Teeakkorde, klare Blüten, sanfter Moschus.
- Wirkung: häufig sauber, modern, subtil. Sie sind präsent, ohne zu dominieren, und fügen sich leicht in den Alltag ein.
- Vorteil: Geschlechterzuschreibungen rücken in den Hintergrund, Sie können sich ganz auf den Charakter des Dufts konzentrieren.
Wenn Sie sich mit „typisch weiblichen“ Gourmand-Bomben oder „typisch männlichen“ Power-Fougères nicht identifizieren, kann ein gut gemachter Unisex-Duft eine sehr angenehme Lösung sein.
Kurz zusammengefasst
Ob ein Parfum als „für Frauen“ oder „für Männer“ gilt, basiert vor allem auf kulturellen Codes und Marketing, nicht auf naturgegebenen Regeln. Blumig-süße Kompositionen landen oft in der Feminin-Schublade, holzig-würzige im Maskulin-Regal. Entscheidend ist jedoch, wie ein Duft auf Ihrer Haut wirkt und ob Sie sich damit authentisch fühlen. Unisex-Düfte sind eine interessante Option, wenn Sie sich nicht einschränken lassen möchten und Wert auf vielseitige, ausgewogene Kompositionen legen.