Duftfamilien und -akkorde: Wie Parfums wirklich aufgebaut sind
Düfte wirken zunächst vollkommen intuitiv: Man riecht, mag oder mag nicht – und verbindet damit sofort ein Gefühl. Hinter jedem Parfum steckt jedoch ein ausgesprochen klarer Aufbau aus Duftfamilien und Duftakkorden. Wer diese Struktur kennt, versteht besser, warum ein Duft gefällt, und findet leichter neue Favoriten, die in die eigene Richtung gehen.
In diesem Artikel geht es darum, was Duftfamilien und -akkorde sind, wie sie eingeordnet werden – und wie Sie dieses Wissen ganz praktisch nutzen können.
Wie Parfums „denken“: Was hinter Duftfamilien steckt
Duftfamilien sind gewissermaßen die großen Schubladen, in die Parfums nach ihrem Grundcharakter einsortiert werden. Sie bringen Ordnung in die unüberschaubare Menge an Düften und helfen, einen Eindruck in Worte zu fassen.
Häufig verwendete Hauptfamilien sind zum Beispiel:
- Blumig: erinnert an einzelne Blüten oder ganze Blumenbouquets
- Fruchtig: Noten von Äpfeln, Beeren, Steinobst, Zitrus und anderen Früchten
- Zitrisch: frische, helle Noten wie Zitrone, Bergamotte, Orange, Grapefruit
- Holzig: warme, trockene oder cremige Noten verschiedener Hölzer
- **Orientalisch (oft auch „amberig“) **: warme, häufig süßliche, würzige Kompositionen
- Aromatisch: Kräuter, Lavendel, Gewürze – meist frisch-würzig und lebendig
- Chypre: typische Mischung aus Zitrus, floralen Noten und einem warm-holzigen, leicht herben Fond
In der Realität bleiben Düfte selten „rein“. Die Familien werden weiter differenziert, etwa als „blumig-fruchtig“ oder „holzig-würzig“. So lässt sich genauer abbilden, welche Facetten tatsächlich dominieren.
Duftakkorde: Wenn mehrere Noten zu einer neuen „Farbe“ verschmelzen
Ein Duftakkord ist die Kombination mehrerer einzelner Duftnoten, die die Nase nicht mehr getrennt wahrnimmt, sondern als neuen, in sich stimmigen Geruch – ähnlich wie bei einem Akkord in der Musik, bei dem einzelne Töne zu einem Klang verschmelzen.
Typische Duftakkorde sind zum Beispiel:
- „Frische Wäsche“: häufig aus Moschus, Aldehyden und zarten floralen Noten aufgebaut
- „Meeresbrise“: meist aquatische, leicht salzige, zitrische und ozonische Noten
- „Gourmand“: erinnert an Desserts und Süßigkeiten, etwa durch Vanille, Tonkabohne, Karamell, Kakao
Parfümeurinnen und Parfümeure arbeiten selten mit isolierten Noten, sondern überwiegend mit solchen Akkorden. Sie schichten diese so, dass typische Strukturen entstehen: Kopf-, Herz- und Basisnoten, die sich auf der Haut nacheinander entfalten und den Duftverlauf prägen.
So werden Duftfamilien eingeordnet – und wie Sie das für sich nutzen
Die Zuordnung zu einer Duftfamilie orientiert sich im Wesentlichen an drei Aspekten:
- Dominierende Noten: Welche Gerüche springen Sie beim ersten Riechen an?
- Gesamteindruck: wirkt der Duft überwiegend frisch, warm, süß, trocken, pudrig oder herb?
- Duftverlauf: wie verändert sich der Duft von der Kopfnote über die Herznote zur Basis?
Eine pragmatische Vorgehensweise für den Alltag:
Eigene Favoriten unter die Lupe nehmen
Schauen Sie bei Ihren Lieblingsdüften genauer hin: Wirken sie eher blumig, fruchtig, zitrisch, holzig oder orientalisch-warm?
Muster suchen
Stellen Sie fest, ob sich bestimmte Tendenzen wiederholen – etwa immer wieder zitrische Frische, pudrig-blumige Weichheit oder holzige Wärme.
Gezielt in „Ihrer“ Familie bleiben – oder bewusst brechen
Wenn Sie bemerken, dass Sie fruchtig-blumige Düfte mögen, können Sie innerhalb dieser Familie sehr gezielt weitersuchen. Umgekehrt können Sie, wenn Sie sich „ausprobieren“ möchten, bewusst eine benachbarte Familie testen, z. B. von blumig zu chypre-blumig.
Typische Irrtümer rund um Duftfamilien und -akkorde
Vieles, was im Alltag über Düfte erzählt wird, ist stark vereinfacht. Dadurch entstehen Missverständnisse wie:
„Ein Duft gehört nur in eine Familie“
In der Praxis sind die meisten Parfums Mischformen: fruchtig-blumig, holzig-orientalisch, zitrisch-aromatisch und so weiter. Die Einordnung ist eher Schwerpunkt als Schublade.
„Alle blumigen Düfte riechen gleich“
„Blumig“ ist nur das Grundgerüst. Ein blumiger Duft kann ätherisch-zart, cremig, pudrig, frisch-grün oder sehr intensiv ausfallen – je nach eingesetzten Noten und Akkorden.
„Ich mag keinen Amber/keine Vanille, also sind warme Düfte generell nichts für mich“
Einzelnoten entfalten im Akkord oft eine andere Wirkung als erwartet. Vanille kann etwa gourmandig-süß, aber auch nur dezent weich und umhüllend wirken. Entscheidend ist die Kombination, nicht das Etikett der Einzelnote.
Praktische Orientierung: So finden Sie Ihre Duftfamilie
Einige einfache Leitplanken helfen bei der Auswahl:
Sie mögen klare, leichte Düfte
Dann lohnt sich ein Blick auf zitrische, fruchtige, aquatische oder aromatische Richtungen. Diese wirken oft belebend, sauber und unkompliziert.
Sie bevorzugen weiche, eher feminine Düfte
Blumige, pudrige und sanft fruchtige Kompositionen treffen diesen Charakter meist gut.
Sie fühlen sich zu warmen, sinnlichen Düften hingezogen
Amberige/orientalische, holzige oder gourmandige Düfte – häufig mit Vanille, Gewürzen oder Balsamnoten – könnten zu Ihnen passen.
Sie suchen etwas Elegantes, „Erwachsenes“
Chypre-Varianten, holzig-blumige Düfte und eher trockene, leicht herbe Kompositionen wirken oft sehr stilvoll und zurückhaltend anspruchsvoll.
Wenn Sie unsicher sind, ist ein systematisches Testen hilfreich: Düfte auf Teststreifen sprühen, spontan entscheiden, welche Sie interessant finden, und später nachsehen, welcher Duftfamilie diese überwiegend zugeordnet werden. So kristallisieren sich schnell klare Vorlieben heraus.
Kurz zusammengefasst
Duftfamilien beschreiben den grundlegenden Charakter eines Parfums – etwa blumig, fruchtig, holzig, zitrisch oder orientalisch. Duftakkorde sind harmonische Mischungen mehrerer Noten, die als eigenständiger, neuer Geruch wahrgenommen werden.
Wer seine Vorlieben für bestimmte Familien und Akkorde kennt, kann sehr viel gezielter auswählen – und versteht nebenbei besser, warum bestimmte Düfte spontan begeistern und andere sofort durchfallen.