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Wie werden Parfums hergestellt und was ist der Unterschied zwischen synthetischen und natürlichen Duftstoffen?

Die Kunst des Dufts: Wie Parfums entstehen – und was hinter natürlichen und synthetischen Duftstoffen steckt

Ein Sprühstoß, und plötzlich steht ein Bild vor Augen: ein Sommerabend, eine bestimmte Person, ein Ort. Parfum wirkt oft wie ein kurzer Zugriff auf unser Gedächtnis – fast magisch. Hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit steckt jedoch ein erstaunlich kontrollierter Herstellungsprozess, der weit über „ein paar Düfte mischen“ hinausgeht.

Besonders interessant wird es, wenn man sich fragt: Was genau unterscheidet natürliche von synthetischen Duftstoffen – und lässt sich überhaupt sagen, was „besser“ ist?

In diesem Artikel geht es darum, wie Parfums aufgebaut sind, wie sie entstehen und worin sich natürliche und synthetische Duftstoffe tatsächlich unterscheiden. Die Idee dahinter: Sie sollen Ihre Düfte bewusster auswählen können und besser einordnen, was Sie sich auf die Haut sprühen.


Vom Rohstoff zum Duft: Wie ein Parfum Schritt für Schritt entsteht

Im Kern ist Parfum ein relativ einfaches Konzept: Duftstoffe werden in Alkohol, manchmal zusätzlich in Wasser, gelöst. Die eigentliche Kunst liegt nicht in der Technik, sondern in der Komposition.

1. Die Duftpyramide: Kopf-, Herz- und Basisnoten

  • Kopfnote: Das, was Sie in den ersten Minuten nach dem Aufsprühen wahrnehmen – leichte, schnell verfliegende Noten wie Zitrus, Kräuter oder grüne Akkorde.
  • Herznote: Der „Körper“ des Dufts. Oft blumig, fruchtig oder würzig, begleitet er Sie über mehrere Stunden und prägt den Charakter des Parfums.
  • Basisnote: Hölzer, Harze, Moschus oder Vanille – die tiefen, lang anhaltenden Komponenten, die dem Duft Struktur und Halt geben.

Parfümeurinnen und Parfümeure komponieren diese Ebenen bewusst so, dass der Duft sich im Laufe der Zeit verändert, aber dabei stimmig bleibt.

2. Auswahl der Duftstoffe
Die Duftpalette ist groß: Hunderte natürliche und synthetische Rohstoffe stehen zur Verfügung. Daraus werden sogenannte „Akkorde“ gebaut – Duftmischungen, die in sich harmonisch klingen, ähnlich wie ein Akkord in der Musik. Ein fertiges Parfum besteht oft aus vielen solcher Akkorde, die ineinander greifen.

3. Mischen, Reifen, Filtern

  • Die ausgewählten Rohstoffe werden mit hochprozentigem Alkohol und gegebenenfalls Wasser vermischt.
  • Diese Mischung darf anschließend ruhen, oft über mehrere Wochen. In dieser Zeit verbindet sich alles, der Duft „rundet“ sich ab.
  • Zum Schluss wird filtriert, damit die Flüssigkeit klar ist, und der Duft wird in Flakons abgefüllt.

Natürliche vs. synthetische Duftstoffe: Was steckt dahinter?

Wenn von „natürlichen“ Duftstoffen die Rede ist, sind in der Regel ätherische Öle und pflanzliche Extrakte gemeint.

Natürliche Duftstoffe

  • stammen aus Pflanzenteilen wie Blüten, Schalen, Hölzern oder Harzen
  • werden z. B. durch Kaltpressung, Wasserdampfdestillation oder verschiedene Extraktionsverfahren gewonnen
  • wirken oft komplex und lebendig, können aber von Ernte zu Ernte, von Herkunft zu Herkunft leicht variieren

Synthetische Duftstoffe

  • entstehen im Labor, meist auf Basis bekannter chemischer Strukturen
  • können naturidentisch sein (chemisch gleich mit einem Stoff, der auch in der Pflanze vorkommt) oder bewusst rein künstlich, ohne direktes Vorbild in der Natur
  • eröffnen Duftmöglichkeiten, die sich aus natürlichen Quellen kaum, nur in winzigen Mengen oder zu enormen Kosten gewinnen ließen, und sie sind meist stabiler und gleichbleibender in der Qualität

Entscheidend ist: „Natürlich“ ist kein Synonym für „mild“ oder „harmlos“, und „synthetisch“ nicht automatisch „aggressiv“ oder „schlecht“. Jede einzelne Substanz hat ihr eigenes Risiko- und Allergieprofil, und die Dosis spielt eine zentrale Rolle.


Typische Missverständnisse rund um Duftstoffe

„Natürlich ist immer besser“
Pflanzliche Extrakte bestehen aus einer großen Vielzahl an Einzelsubstanzen. Das macht den Duft spannend und facettenreich, erhöht aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand auf einen dieser Inhaltsstoffe reagiert. Ein reines, einzelnes Duftmolekül – ob natürlich oder synthetisch – kann unter Umständen berechenbarer sein.

„Synthetisch ist immer künstlich und aggressiv“
Viele synthetische Moleküle sind sehr gut untersucht. Einige wurden bewusst entwickelt, um bestimmte Nachteile natürlicher Stoffe zu umgehen: etwa Instabilität, starke Allergiepotenziale oder problematische Erntemethoden. „Synthetisch“ beschreibt zunächst nur die Herkunft, nicht automatisch die Qualität oder Verträglichkeit.

„Parfum ist überall gleich aufgebaut“
Zwischen Eau de Parfum, Eau de Toilette, Eau de Cologne oder Bodyspray besteht vor allem ein Unterschied im Anteil der Duftstoffe:

  • Höhere Konzentration bedeutet in der Regel intensiveren, länger anhaltenden Duft.
  • Leichtere Varianten sind eher für großzügiges Auffrischen gedacht, schwerere für gezielte, sparsamere Anwendung.

Worauf Sie beim Umgang mit Parfums im Alltag achten können

  • Gezielt sprühen: Auf Stoffen verhält sich ein Duft anders als auf der Haut. Auf Haaren oder Kleidung wirkt er oft etwas kühler und weniger facettenreich, kann aber länger haften.
  • Dosierung im Blick behalten: Besonders in Büros, Zügen oder Wartezimmern reichen wenige Sprühstöße völlig aus. Ein angenehmer Duft muss nicht den ganzen Raum füllen.
  • Immer auf der eigenen Haut testen: Hautchemie, Pflegeroutine, Ernährung und sogar Medikamente beeinflussen, wie sich ein Duft entwickelt. Ein Testerstreifen sagt nur die halbe Wahrheit.
  • Richtig lagern: Kühl, lichtgeschützt und trocken. Hitze, direkte Sonne oder hohe Luftfeuchtigkeit können einen Duft schneller kippen lassen.

Wer sehr empfindliche oder gereizte Haut hat, fährt oft besser, Parfum eher auf Kleidung als direkt auf sensible Hautpartien zu sprühen.


Kurz zusammengefasst

Parfums bestehen aus einer Mischung von Duftstoffen, Alkohol und zum Teil Wasser. Sie sind in Kopf-, Herz- und Basisnoten aufgebaut, damit sich der Duft über Stunden entfalten kann. Natürliche Rohstoffe stammen aus pflanzlichen Quellen, synthetische werden im Labor hergestellt; beide Seiten bringen eigene Stärken und Schwächen mit – in Duftwirkung, Stabilität und Verträglichkeit.

Mit diesem Wissen lässt sich bewusster entscheiden, welche Duftkonzepte zum eigenen Geschmack, zur Haut und zum Alltag passen.


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