Welcher Haartyp bin ich? So erkennen Sie die Bedürfnisse Ihres Haares
Viele Haarprobleme entstehen nicht, weil Produkte „schlecht“ sind, sondern weil sie nicht zu Ihrem Haartyp passen. Wer sein Haar realistisch einschätzen kann, findet einfacher eine Routine, die tatsächlich funktioniert. In diesem Artikel geht es darum, wie Sie Ihren Haartyp erkennen, welche Merkmale dabei eine Rolle spielen und wie Sie Ihr Haar Schritt für Schritt einordnen.
Mehr als nur „trocken oder fettig“: Was den Haartyp wirklich ausmacht
Ihr Haartyp ergibt sich aus mehreren Eigenschaften, die zusammen wirken. Relevant sind vor allem:
1. Struktur: glatt, wellig, lockig, sehr lockig
- Glatt: keine oder kaum Wellen, fällt eher gerade herunter.
- Wellig: deutliche S-Form, vor allem in den Längen.
- Lockig: sichtbare Locken, Ringel- oder Korkenzieherform.
- Sehr lockig/kraus: enge, kleine Locken, viel Sprungkraft und meist auch Volumen.
2. Haardicke: fein, mittel, dick
- Einzelnes Haar zwischen den Fingern kaum zu fühlen = fein.
- Spürbar, aber nicht drahtig = mittel.
- Deutlich spürbar, eher fest und drahtig = dick.
Die Dicke eines einzelnen Haares entscheidet mit darüber, wie robust Ihr Haar ist und wie gut Frisuren halten.
3. Haardichte: wenig, normal, viel
- Bei einem normalen Scheitel ist viel Kopfhaut sichtbar = eher geringe Dichte.
- Kopfhaut ist schwer zu sehen = hohe Dichte.
Das beeinflusst, wie „voll“ das Haar wirkt – unabhängig von der Dicke jedes einzelnen Haares.
4. Talgproduktion an der Kopfhaut: trocken, normal, fettend
- Wird der Ansatz schnell fettig, glänzt und wirkt strähnig?
- Oder spannt die Kopfhaut eher, schuppt leicht und fühlt sich trocken an?
Hier zählt nur die Kopfhaut. Wie sich die Längen anfühlen, ist ein eigener Punkt.
5. Haarzustand: gesund, strapaziert, brüchig
Hier spielen unter anderem eine Rolle: Färben, Blondieren, Hitze-Styling, Sonne, Chlor, Salzwasser, häufiges Reiben (z. B. Handtuch, raue Kissenbezüge) oder sehr straffe Frisuren.
Schritt für Schritt: So analysieren Sie Ihren Haartyp zu Hause
1. Haar frisch waschen und an der Luft trocknen lassen
Waschen Sie Ihr Haar wie gewohnt, lassen Sie es aber ohne Hitze und ohne Stylingprodukte trocknen. Nur so zeigt es seine natürliche Struktur.
2. Struktur prüfen
Betrachten Sie Ihr trockenes Haar im Spiegel:
- Bleibt es weitgehend glatt oder bilden sich von allein Wellen/Locken?
- Wie intensiv sind sie: eher weiche Bewegung oder enge Locken?
3. Haardicke erfühlen
Nehmen Sie ein einzelnes Haar zwischen Daumen und Zeigefinger:
- Sie fühlen es kaum: feines Haar.
- Sie spüren es deutlich: eher dick.
Liegt es dazwischen, haben Sie eine mittlere Haardicke.
4. Dichte beurteilen
Ziehen Sie einen geraden Scheitel:
- Sie sehen viel Kopfhaut, „Lücken“ wirken deutlich = geringe Dichte.
- Kopfhaut ist nur minimal sichtbar = hohe Dichte.
Alles dazwischen liegt im mittleren Bereich.
5. Kopfhaut nach 24 Stunden beobachten
Lassen Sie etwa einen Tag nach der Wäsche vergehen und schauen Sie dann genauer hin:
- Ansatz wirkt nach einem Tag fettig und beschwert = eher fettende Kopfhaut.
- Fühlt sich angenehm an, ohne stark zu glänzen oder zu spannen = normale Kopfhaut.
- Spannungsgefühl, Trockenheit, Schuppen oder Juckreiz = eher trockene Kopfhaut.
Häufige Irrtümer bei der Bestimmung des Haartyps
„Trockene Längen = trockene Kopfhaut“
Sehr viele Menschen haben trockene Längen, aber eine eher fettende oder normale Kopfhaut. Kopfhaut und Haarlängen können völlig unterschiedliche Bedürfnisse haben – und müssen oft getrennt betrachtet werden.
„Feines Haar = wenig Haar“
Feines Haar kann extrem dicht wachsen. Das Haar wirkt dann zwar schnell platt, aber die Menge ist durchaus groß. Dünn im Sinne von „wenig“ ist etwas anderes als „fein“ im Sinne von „dünner Haardurchmesser“.
„Locken sind automatisch dick“
Locken und Wellen sagen zunächst nichts über die Haardicke aus. Es gibt sehr feine Locken, die zwar optisch viel Volumen suggerieren, aber besonders empfindlich sind.
„Haarprobleme löst man nur mit Produkten“
Pflege hilft, aber sie ist nur ein Teil. Ernährung, Stress, Schlaf, Medikamente, hormonelle Umstellungen oder mechanische Belastung (z. B. enge Zöpfe, häufiges Glätten) hinterlassen ebenso Spuren am Haar.
Was Sie aus Ihrem Haartyp konkret für die Pflege ableiten können
Feines Haar
- Wird schnell beschwert, vor allem am Ansatz.
- Besser sind leichte Formulierungen; reichhaltigere Pflege eher in Spitzen und Längen geben, nicht auf die Kopfhaut.
Dickes Haar
- Benötigt oft mehr Feuchtigkeit und reichhaltigere Pflege, um geschmeidig zu bleiben.
- Längere Einwirkzeiten von Masken und Kuren können sinnvoll sein.
Welliges und lockiges Haar
- Trocknet meist schneller aus, weil die natürliche Schutzschicht ungleichmäßiger verteilt ist.
- Feuchtigkeitsspendende Produkte und Methoden, die Wasser im Haar halten (z. B. sanft ausdrücken statt rubbeln), sind hilfreich. Reibung durch grobes Handtuchtrocknen möglichst reduzieren.
Trockene Kopfhaut
- Milde Shampoos, nicht zu heißes Wasser, eher kürzere und nicht zu häufige Waschintervalle.
- Sehr heißes Föhnen oder ständige Reizung (Kratzen, starkes Rubbeln) eher meiden.
Fettende Kopfhaut
- Regelmäßige, aber sanfte Reinigung – lieber mild, dafür etwas öfter.
- Nicht aggressiv scheuern oder kratzen, das kann die Talgproduktion zusätzlich anregen.
Kurz zusammengefasst
Ihr Haartyp ergibt sich aus Struktur, Haardicke, Dichte, Kopfhautzustand und dem aktuellen Haarzustand. Wenn Sie diese Punkte getrennt betrachten, wird klarer, was Ihr Haar tatsächlich braucht. So finden Sie leichter Produkte und Routinen, die Frizz, schnelles Nachfetten oder brüchige Spitzen wirklich reduzieren, statt sie nur kurzfristig zu kaschieren.