Reiniger vs. Make-up-Entferner: Was Ihre Haut wirklich braucht
Viele Menschen, die regelmäßig Make-up tragen, stehen vor derselben Frage: Reicht ein normaler Gesichtsreiniger – oder sollte zusätzlich ein spezieller Make-up-Entferner her? Und wenn ja: Ab wann ist er wirklich nötig?
Die Antwort hängt von drei Dingen ab: wie viel und welches Make-up Sie tragen, wie Ihre Haut beschaffen ist und wie sorgfältig Ihre Reinigungsroutine insgesamt ist.
Im Folgenden geht es darum, in welchen Fällen ein Cleanser ausreicht, wann ein zusätzliches Produkt sinnvoll ist – und wie Sie Ihre Haut gründlich, aber schonend sauber bekommen.
Warum gründliche Reinigung so entscheidend ist
Im Laufe des Tages lagert sich einiges auf der Haut ab: Make-up, Sonnenschutz, Talg, Schweiß, Staubpartikel. Zusammen bilden sie einen Film, der sich nicht von selbst wieder verabschiedet. Bleibt er teilweise auf der Haut, verstopfen Poren leichter, die Haut wirkt stumpfer und reagiert schneller mit Rötungen oder Unreinheiten.
Entscheidend ist ein Punkt, der oft übersehen wird:
Viele klassische Gesichtsreiniger sind vor allem dafür gemacht, wasserlöslichen Schmutz und überschüssigen Talg zu entfernen. Moderne Make-up-Produkte – insbesondere lang haftende, wasserfeste oder sehr deckende Formulierungen – sind dagegen häufig ölbasiert oder besonders stark haftend.
Das hat praktische Folgen:
- Leichtes Make-up (z. B. getönte Tagescreme, wenig Puder, etwas Rouge) lässt sich meist gut mit einem milden Cleanser entfernen.
- Wasserfeste Mascara, Long-Last-Lippenstifte, hoch deckende Foundation oder Fixing-Sprays sitzen deutlich fester – hier hat ein normaler Reiniger allein oft Schwierigkeiten, alles restlos zu lösen.
Dass die Reinigung nicht vollständig war, zeigt sich oft nicht am nächsten Morgen, sondern erst nach Tagen oder Wochen: Die Haut wirkt unruhiger, reagiert empfindlicher oder neigt stärker zu Unreinheiten.
So finden Sie die passende Reinigungsroutine für Ihr Make-up
Am einfachsten ist es, sich an der Intensität des eigenen Make-ups zu orientieren.
1. Leichtes Make-up im Alltag
Wenn Sie nur etwas Concealer, Puder, Rouge oder eine leichte Foundation nutzen, genügt ein normaler Gesichtsreiniger häufig. Achten Sie auf Produkte, bei denen ausdrücklich steht, dass sie auch Make-up entfernen.
Wichtig ist weniger die Menge des Produkts als die Technik:
gründlich einmassieren, auch über Augen und Lippen, sofern das Produkt dafür freigegeben ist, und anschließend sorgfältig mit Wasser abspülen.
2. Intensives oder wasserfestes Make-up
Bei wasserfester Mascara, Eyeliner, lang haftenden Lippenprodukten oder sehr deckender Foundation kommt ein einzelner Cleanser oft an seine Grenzen. Hier hat sich die „Doppelreinigung“ bewährt:
- Schritt: Make-up-Entferner (z. B. ölbasierte Formulierung oder spezieller Augen-/Lippen-Make-up-Entferner), um das hartnäckige Produkt zu lösen
- Schritt: Mildes Waschgel oder eine sanfte Reinigungslotion, um Rückstände und gelöste Partikel abzunehmen und die Haut zu klären
Damit lässt sich meist gründlicher reinigen, ohne stärker rubbeln zu müssen.
3. Sensible Augenpartie
Die Haut um die Augen ist dünn und empfindlich, die Wimpern mechanisch schnell überstrapaziert. Ein speziell für die Augen entwickelter, milder Make-up-Entferner kann helfen, Reiben und Ziehen deutlich zu reduzieren. Das schützt sowohl die Haut als auch die Wimpern und macht die Reinigung angenehmer.
Typische Reinigungsfehler – und wie Sie sie umgehen
Zu viel Reibung statt passender Produkte
Wer wasserfeste Mascara mit einem normalen Waschgel und viel Kraft „herunterschrubbt“, reizt vor allem die Haut und die Wimpern – weniger das Make-up. Besser: Ein geeignetes Produkt auftragen, kurz wirken lassen und dann mit wenig Druck abnehmen.
Zu kurze Einwirkzeit
Reiniger wirken nicht im Moment des Auftragens. Sie brauchen einige Sekunden, um Make-up und Schmutz zu lösen. Wird sofort wieder abgewaschen, bleibt häufig ein Teil des Make-ups zurück – die Haut fühlt sich zwar frisch an, ist aber nicht richtig sauber.
Nur ein Wattepad – und fertig
Wenn nach dem ersten Durchgang mit Reiniger oder Make-up-Entferner noch Make-up-Spuren sichtbar sind, war der Schritt schlicht nicht abgeschlossen. In solchen Fällen lohnt es sich, mit einem zweiten (oder dritten) Pad nachzugehen, bis kaum oder gar nichts mehr abgefärbt wird.
Reinigung mit Gesichtstüchern als Dauerlösung
Abschminktücher sind unterwegs oder nach langen Abenden durchaus praktisch. Auf Dauer ersetzen sie eine gründliche Reinigung mit Wasser aber nicht. Sie lösen meist nur einen Teil des Make-ups, oft bleiben Rückstände von Tensiden und Duftstoffen auf der Haut.
Praktische Tipps für eine saubere, aber sanfte Abschmink-Routine
- Handtuch-Test: Wenn beim Abtrocknen nach der Reinigung noch deutlich Make-up-Spuren auf dem Handtuch landen, ist die Reinigung nicht abgeschlossen.
- Typische „Problemzonen“ nicht vergessen: Augenbrauen, Nasenflügel, Haaransatz und der Bereich entlang der Kieferlinie werden beim Reinigen gerne ausgespart.
- Ölbasierte Entferner zunächst einwirken lassen, dann mit einem Wattepad oder einem weichen Tuch sanft abnehmen – das reduziert Reibung.
- Lauwarmes Wasser verwenden: Zu heißes Wasser kann die Hautbarriere unnötig stressen und Trockenheit begünstigen.
- Reinigungsintensität an den Hauttyp anpassen: Fettige Haut verträgt die Doppelreinigung oft gut, bei trockener oder sensibler Haut sind besonders milde Formulierungen und kurze Einwirkzeiten wichtig.
Kurz zusammengefasst
Ob ein normaler Gesichtsreiniger Ihr Make-up vollständig entfernt, entscheidet vor allem die Art des Make-ups – weniger der Markenname oder der Preis des Produkts.
Leichte, nicht wasserfeste Texturen lassen sich häufig gut mit einem Cleanser lösen. Bei wasserfesten, stark deckenden oder sehr lang haftenden Produkten ist ein zusätzlicher Make-up-Entferner in den meisten Fällen sinnvoll und schont auf Dauer die Haut, weil weniger Reibung nötig ist.
Wichtiger als die Zahl der Produkte im Bad ist am Ende die Frage:
Ist Make-up, Sonnenschutz und Schmutz am Abend wirklich vollständig entfernt – ohne dass die Haut danach spannt oder brennt?