INCI-Listen verstehen: So entschlüsseln Sie die Sprache Ihrer Kosmetik
Wer die Rückseite von Creme, Serum oder Shampoo anschaut, sieht meist eine lange Liste unbekannter Begriffe: die INCI-Liste. Sie wirkt technisch und kompliziert. Wer sie lesen kann, hat mehr Kontrolle über die eigene Haut- und Haarpflege. Dieser Überblick zeigt, wie eine INCI-Liste aufgebaut ist, worauf Sie achten können und wie Sie mögliche Problemstoffe erkennen, ohne sich zu überfordern.
Was INCI überhaupt ist: und wie die Liste aufgebaut ist
INCI steht für „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“. Diese Bezeichnung legt fest, dass Inhaltsstoffe weltweit einheitlich benannt werden, unabhängig vom Verkaufsland.
Einige Grundregeln erleichtern das Verständnis:
- Reihenfolge nach Menge: Die Inhaltsstoffe stehen in der Regel in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration. Was vorne steht, ist meist in höherer Menge enthalten.
- Ab etwa 1 % beliebige Reihenfolge: Stoffe unter einem bestimmten Prozentsatz (oft rund 1 %) dürfen in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden.
- Latein, Englisch, Chemie:
- Pflanzliche Inhaltsstoffe: oft auf Latein (z. B. „Aloe Barbadensis Leaf Juice“).
- Chemische Stoffe: meist englische bzw. chemische Namen.
- Duftstoffe und Farbstoffe: häufig am Ende der Liste, Farbstoffe oft mit „CI“ und einer Zahl.
Eine kurze INCI-Liste ist nicht automatisch besser, eine lange Liste ist nicht automatisch schädlich. Ausschlaggebend sind Art und Kombination der Inhaltsstoffe und Ihre persönliche Verträglichkeit.
Schritt für Schritt: So gehen Sie eine INCI-Liste sinnvoll durch
Wenn Sie ein Produkt in der Hand halten, kann diese Reihenfolge helfen:
Blick auf die ersten fünf Inhaltsstoffe
Sie machen meist den größten Anteil des Produkts aus. Hier erkennen Sie oft:
- Ist viel Wasser enthalten?
- Stehen direkt am Anfang Öle, Fette oder Alkohole?
- Wirken die Basisstoffe eher pflegend oder stark reinigend?
Duftstoffe identifizieren
Duftkomponenten stehen häufig weiter hinten, etwa als „Parfum/Fragrance“ sowie einzelne Duftstoffe. Diese können bei empfindlicher Haut problematisch sein, insbesondere bekannte Duftallergene.
Bestimmte Stoffgruppen einordnen
Sie können nach Inhaltsstoffen suchen, die Sie persönlich vermeiden möchten, zum Beispiel bestimmte Duftstoffe, Farbstoffe oder stark entfettende Tenside.
Bei Unsicherheit gezielt nachschlagen
Seriöse Datenbanken, dermatologische Quellen und Fachgesellschaften liefern Informationen zu Sicherheit und Reizpotenzial einzelner Stoffe.
Typische Stolperfallen: und wie Sie sie vermeiden
Beim Lesen von INCI-Listen treten einige Missverständnisse besonders häufig auf:
„Chemisch“ gleich „schlecht“
Alles ist chemisch, auch Wasser. Synthetische Inhaltsstoffe sind nicht automatisch schädlich, natürliche nicht automatisch besser oder verträglicher.
Angst vor langen Namen
Komplizierte Bezeichnungen wirken schnell bedrohlich, betreffen aber oft harmlose Stoffe, etwa Emulgatoren oder Feuchthaltemittel.
Einzelne Stoffe isoliert bewerten
Die Wirkung hängt von Konzentration, Kombination und Anwendungsbereich ab. Ein Stoff, der im Leave-on-Produkt problematisch sein kann, ist in einem abwaschbaren Produkt oft weniger kritisch.
Persönliche Unverträglichkeit mit genereller Gefährlichkeit verwechseln
Was Ihre Haut nicht verträgt, ist für andere möglicherweise unproblematisch, und umgekehrt.
Worauf Sie bei möglichen Problemstoffen besonders achten können
Einige Stoffgruppen gelten häufiger als kritisch, vor allem bei empfindlicher oder vorgeschädigter Haut:
Duftstoffe
Bestimmte Duftstoffe können Allergien fördern. Menschen mit sensibler oder zu Allergien neigender Haut profitieren oft von möglichst duftstoffarmen Produkten.
Bestimmte Alkohole
Fettlösliche und pflegende Alkohole (z. B. Cetearyl Alcohol) unterscheiden sich von kurzkettigen, stärker austrocknenden Alkoholen. Letztere können bei empfindlicher, trockener oder gereizter Haut kritisch sein, besonders in höherer Konzentration.
Intensive Tenside in Reinigern
Starke, schäumende Reinigungssubstanzen können die Hautbarriere belasten, wenn sie sehr häufig oder in hoher Konzentration verwendet werden.
Konservierungsstoffe mit höherem Reizpotenzial
Konservierung ist wichtig, damit Produkte nicht verkeimen. Einzelne Vertreter sind jedoch dafür bekannt, häufiger Irritationen oder Allergien auszulösen. Hier lohnt sich ein Blick in unabhängige Quellen.
Kurz zusammengefasst
INCI-Listen wirken zunächst wie eine Fremdsprache, folgen aber klaren Regeln. Die Reihenfolge gibt Hinweise auf die Mengenverhältnisse, bestimmte Namensmuster zeigen, ob es sich um Pflanzenextrakte, Duftstoffe oder Farbstoffe handelt. Kritisch sind eher bestimmte Gruppen wie intensive Duftstoffe, stark austrocknende Alkohole oder sehr kräftige Tenside, insbesondere bei empfindlicher Haut. Mit etwas Übung, nüchterner Einschätzung und seriösen Informationsquellen treffen Sie Schritt für Schritt fundiertere Entscheidungen dazu, was Sie an Ihre Haut lassen.