Pickel ausdrücken oder lieber lassen? Was Ihrer Haut wirklich guttut
Pickel melden sich zuverlässig dann, wenn sie am ungelegensten sind – kurz vor einem Termin, einem Date, einem Foto. Der Reflex, sie „kurz wegzumachen“, ist verständlich. Gleichzeitig hält sich hartnäckig die Warnung, man solle sie auf keinen Fall ausdrücken, weil sonst alles schlimmer wird.
Im Folgenden geht es darum, was beim Ausdrücken tatsächlich in der Haut passiert, in welchen Situationen es wirklich riskant wird und welche Alternativen es gibt. So können Sie informierter entscheiden, wie Sie mit Unreinheiten umgehen – statt nur auf Bauchgefühl oder Panik zu reagieren.
Was beim Ausdrücken eines Pickels tatsächlich passiert
Ein Pickel entsteht, wenn sich in einer Pore Talg, abgestorbene Hautzellen und Bakterien stauen. Der Ausführungsgang verstopft, der Körper reagiert mit einer lokalen Entzündung: Die Stelle rötet sich, schwillt an, kann pochen oder Eiter bilden.
Wenn Sie drücken, erhöhen Sie den Druck in diesem ohnehin entzündeten Bereich. Dabei kann unter anderem Folgendes passieren:
- Der Inhalt wird nicht nur nach außen, sondern auch nach unten in tiefere Hautschichten gepresst.
- Die Entzündung kann sich ausbreiten, größer werden und länger anhalten.
- Es entwickeln sich leichter dunkle Verfärbungen (Post-Inflammatory Hyperpigmentation) oder kleine Narben.
- Über Fingernägel, Werkzeuge oder unsaubere Haut gelangen zusätzliche Keime in die Wunde.
Besonders rund um Nase, Oberlippe und zwischen den Augen ist Zurückhaltung sinnvoll. In dieser Region verlaufen Blutgefäße, die näher zum Gehirn ziehen. Schwere Komplikationen sind zwar selten, der Bereich gilt medizinisch aber als empfindlicher.
Unterm Strich: Die Wahrscheinlichkeit, den Pickel zu verschlimmern, ist deutlich höher als die Chance, ihn in einem perfekten Moment „spurlos“ zu entfernen.
Wenn Sie es trotzdem tun: Wie Sie das Risiko reduzieren
Am hautfreundlichsten ist es, entzündete Pickel in Ruhe abheilen zu lassen oder sie – wenn nötig – fachlich behandeln zu lassen. Viele Menschen kennen jedoch den Punkt, an dem der Drang zu groß wird. Dann lässt sich das Risiko zumindest etwas begrenzen:
- Nur an oberflächlichen, reifen Mitessern oder kleinen „weißen“ Pusteln – nicht an tief sitzenden, schmerzhaften Knoten.
- Hände vorher gründlich mit Seife waschen.
- Gesicht sanft reinigen und gut abtrocknen.
- Keine Experimente mit Nadeln, spitzen Gegenständen oder langen Fingernägeln.
- Wenn Sie seitlichen Druck ausüben, sofort stoppen, sobald Blut austritt oder der Schmerz deutlich zunimmt.
- Danach die Stelle konsequent in Ruhe lassen – nicht wieder aufreißen, nicht ständig kontrollieren oder kratzen.
Wenn Sie immer wieder mit ausgeprägten Unreinheiten, schmerzhaften Knoten oder häufigen Entzündungen zu tun haben, ist eine dermatologische oder kosmetisch-fachliche Begleitung fast immer sinnvoller als permanentes Herumdrücken zuhause.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Einige Verhaltensweisen sorgen zuverlässig dafür, dass Pickel länger bleiben oder unschöner abheilen:
- Drücken an tiefen, schmerzhaften Pickeln: Diese liegen meist in tieferen Hautschichten. Druck verschiebt den Entzündungsherd eher, als dass er ihn leert – mit längerer Heilungszeit und höherem Narbenrisiko.
- Immer wieder „nacharbeiten“: An derselben Stelle mehrfach herumzudrücken, reizt das Gewebe und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Narben oder dunklen Flecken deutlich.
- Ausdrücken über geschminkter Haut: Make-up-Reste können in die offene Pore gedrückt werden – ein ziemlich sicherer Weg zu einer stärkeren Entzündung.
- „Desinfektion“ mit scharfen Hausmitteln: Alkohol, Zitronensaft, Zahnpasta oder Essig trocknen aus, reizen und schädigen die Hautbarriere, statt sie zu unterstützen.
- Direkt danach stark abdeckendes Make-up: Die frische Wunde wird wieder verstopft, Bakterien haben leichtes Spiel – neue Pickel in der Umgebung sind keine Seltenheit.
Vermeiden Sie alles, was zusätzlich reizt: starkes Rubbeln, Kratzen, lange Fingernägel im Gesicht, grobe Waschhandschuhe oder raue Handtücher.
Sanfte Strategien, die langfristig besser funktionieren
Auf lange Sicht sind weniger spektakuläre, dafür konsequente Maßnahmen meist wirksamer als jede spontane „Not-OP“ vor dem Spiegel:
- Milde, tägliche Reinigung: Morgens und abends mit einem sanften Reiniger, der nicht zu stark entfettet. Eine gespannte, brennende Haut ist meist schon überpflegt.
- Nicht-komedogene Pflege: Produkte, die die Poren nicht zusätzlich verstopfen – häufig gekennzeichnet als „nicht-komedogen“ oder „öl-frei“.
- Hände möglichst aus dem Gesicht: Jede unnötige Berührung bringt Keime und Reibung mit sich. Gewohnheitsmäßiges Tasten, Drücken oder Stützen des Kopfes kann Unreinheiten begünstigen.
- Akzeptieren, dass Pickel Zeit brauchen: Viele entzündete Stellen werden innerhalb weniger Tage von selbst kleiner, wenn man sie nicht ständig bearbeitet.
- Fachliche Ausreinigung: Bei ausgeprägten oder wiederkehrenden Unreinheiten kann eine professionelle Ausreinigung (beispielsweise bei einer medizinischen Kosmetik) hilfreich sein – hygienischer, kontrollierter und meist hautschonender als zuhause.
Eine ruhigere, gleichmäßigere Haut entsteht selten durch einen einzelnen „Trick“, sondern durch Routine: sanfte Pflege, etwas Disziplin und möglichst wenig Gewalt an den Poren.
Kurz zusammengefasst
Selbst Pickel auszudrücken bringt selten den erhofften schnellen kosmetischen Gewinn, erhöht aber klar das Risiko für stärkere Entzündungen, Verfärbungen und kleine Narben. Tiefe, schmerzhafte oder stark entzündete Pickel sollten Sie in Ruhe lassen und gegebenenfalls professionell abklären lassen.
Mit einer milden Pflegeroutine, sauberen Händen und der bewussten Entscheidung, nicht an jeder Unreinheit zu drücken, unterstützen Sie Ihre Haut deutlich besser, als es jede spontane Quetsch-Aktion könnte.