Telefon 0800 / 5550025
Welche Hygienestandards gelten in Deutschland für Nagelstudios?

Saubere Sache: Welche Hygienestandards in deutschen Nagelstudios wirklich gelten

Ein Termin im Nagelstudio soll gut tun – nicht verunsichern. Trotzdem bleibt oft die Frage: Wie sauber muss ein Nagelstudio in Deutschland eigentlich sein? Und woran lässt sich erkennen, ob dort wirklich hygienisch gearbeitet wird?
In diesem Beitrag geht es darum, welche Vorgaben hierzulande gelten, woher diese Regeln kommen und worauf Sie als Kundin oder Kunde konkret achten können. So können Sie Angebote besser einschätzen – und sich beim Termin deutlich sicherer fühlen.


Zwischen Beauty und Gesundheit: Warum Hygiene im Nagelstudio so entscheidend ist

Nagelstudios sind keine Arztpraxen, aber sie arbeiten direkt an Haut und Nägeln – mit scharfen Instrumenten, Feilen und Fräsern. Dabei entstehen schnell kleine Mikroverletzungen, die man oft gar nicht bemerkt, die aber ein Einfallstor für Keime sein können.

Genau hier setzen in Deutschland verschiedene Regelwerke an. Die wichtigsten Grundlagen stammen aus drei Bereichen:

  • Infektionsschutzgesetz (IfSG) – zielt darauf ab, Infektionen zu vermeiden und ihre Verbreitung zu verhindern.
  • Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften – schützen die Mitarbeitenden, erhöhen aber indirekt auch die Sicherheit für die Kundschaft.
  • Empfehlungen der Gesundheitsämter und Fachverbände – etwa zu Desinfektion, Reinigung und persönlicher Schutzausrüstung.

Rechtlich werden Nagelstudios meist den „körpernahen Dienstleistungen“ zugeordnet. Viele Gesundheitsämter orientieren sich bei Kontrollen an allgemeinen Hygieneanforderungen, wie sie auch für Tattoo- oder Kosmetikstudios gelten.

Wesentlich ist: Es gibt zwar kein spezielles „Nagelstudio-Gesetz“, aber jedes Studio ist verpflichtet, so zu arbeiten, dass Infektionen, Hautreizungen und vermeidbare Risiken weitgehend ausgeschlossen werden.


Was ein hygienisch geführtes Nagelstudio im Alltag leisten sollte

Für den Alltag bedeutet das: In einem verantwortungsvoll geführten Studio sind bestimmte Abläufe selbstverständlich. Typischerweise gehören dazu:

  • Saubere Hände:

    • Das Personal wäscht und desinfiziert sich vor jeder Behandlung die Hände.
    • Häufig werden auch Kundinnen und Kunden gebeten, die Hände zu waschen oder zu desinfizieren.
  • Gereinigte Arbeitsflächen:

    • Tische, Armauflagen, Geräte und Lampen werden regelmäßig gereinigt und desinfiziert – insbesondere zwischen zwei Terminen.
  • Aufbereitete Instrumente:

    • Metallinstrumente (z. B. Zangen, Fräseraufsätze, Scheren) werden nach jeder Nutzung gründlich gereinigt und desinfiziert, teilweise zusätzlich sterilisiert.
    • Einwegmaterial wie Feilen, Polierblöcke oder Holzstäbchen wird nach der Behandlung entsorgt oder eindeutig nur einer Person zugeordnet und wiederverwendet.
  • Persönliche Schutzausrüstung:

    • Handschuhe bei allen Arbeiten mit Verletzungsrisiko oder sichtbaren Hautschäden.
    • Mund-Nasen-Schutz und Schutzbrille sind in vielen Studios Standard, besonders beim Fräsen, um Staub und Partikel zu begrenzen.
  • Hygieneplan und Schulungen:

    • Seriöse Studios arbeiten nach einem internen Hygieneplan mit klaren Zuständigkeiten.
    • Mitarbeitende werden regelmäßig zu Desinfektion, Infektionsschutz und richtiger Aufbereitung der Instrumente geschult.

Gesundheitsämter dürfen Studios kontrollieren. Sie achten vor allem darauf, ob die Umgebung sichtbar sauber ist, ob Abläufe nachvollziehbar sind und ob Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen dokumentiert werden.


Typische Stolperfallen – und was Sie hellhörig machen sollte

Trotz aller Vorgaben gibt es im Alltag immer wieder Schwachstellen. Misstrauisch werden sollten Sie zum Beispiel bei:

  • Offensichtlich mehrfach benutzten Einwegfeilen, ohne dass klar ist, welcher Kundin oder welchem Kunden sie zugeordnet sind.
  • Instrumenten, die ungepflegt oder „gebraucht“ wirken und direkt von einer Kundin zur nächsten wandern.
  • Staubigen, verklebten Arbeitsflächen, insbesondere im Bereich von Fräsgeräten, Ablagen und Lampen.
  • Fehlender Händehygiene, wenn weder vor Beginn der Behandlung gewaschen noch desinfiziert wird.
  • Bagatellisierung von Verletzungen, etwa wenn blutende Stellen überlackiert oder einfach ignoriert werden.

Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, ist Nachfragen ausdrücklich erlaubt. Ein seriöses Studio wird Ihnen ohne Abwehr erklären, wie dort gereinigt, desinfiziert und aufbereitet wird.


Praktische Orientierung: So erkennen Sie ein Studio mit hohen Hygienestandards

Sie müssen keine Hygienefachkraft sein, um ein Studio grob einschätzen zu können. Ein genauer Blick beim ersten Kontakt reicht oft schon weit:

  • Erster Eindruck beim Betreten

    • Wirkt der Raum insgesamt gepflegt – also weder muffig noch extrem chemisch?
    • Sind Boden, Wartebereich und Toiletten sauber und in einem ordentlichen Zustand?
  • Umgang mit Werkzeug

    • Werden Instrumente aus geschlossenen Behältern oder steril verpackten Beuteln entnommen?
    • Werden Feilen und Polierblöcke frisch ausgepackt oder klar einer bestimmten Person zugeordnet aufbewahrt?
  • Verhalten des Personals

    • Werden Hände sichtbar gewaschen oder desinfiziert, bevor es losgeht?
    • Reagiert das Personal auf kleine Verletzungen konsequent – reinigen, desinfizieren, im Zweifel Behandlung abbrechen?
  • Offenheit bei Fragen

    • Können Sie nach Desinfektionsmitteln, Reinigungsintervallen oder der Verwendung von Einwegmaterial fragen, ohne dass ausweichend reagiert wird?
    • Hängen Informationen zu Hygiene, Zertifikate oder Hinweise des Gesundheitsamts gut sichtbar aus?

Wenn Sie trotzdem ein ungutes Gefühl haben, ist es völlig in Ordnung, den Termin abzubrechen oder gar nicht erst zu beginnen. Ein hygienisch sauber geführtes Studio fühlt sich in aller Regel auch so an.


Kurz zusammengefasst

Nagelstudios in Deutschland unterliegen keinen eigenen Spezialgesetzen, aber klaren Hygienevorgaben, die sich aus Infektionsschutz, Arbeitsschutz und Empfehlungen der Gesundheitsämter ergeben. Saubere Hände, desinfizierte und – wo nötig – sterilisierte Instrumente, ordentliche Arbeitsplätze und strukturierte Abläufe sind kein Bonus, sondern Mindeststandard.

Wer beim ersten Besuch bewusst auf Umgebung, Werkzeug und Verhalten des Personals achtet, kann relativ schnell einschätzen, ob sorgfältig gearbeitet wird. Dabei zählt auch Ihr Bauchgefühl: Wo Hygiene wirklich ernst genommen wird, ist das spürbar – und genau dort können Sie die Behandlung in Ruhe genießen.


Ähnliche Fragen