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Welche Pflege ist bei chemisch behandeltem Haar (Färben, Blondieren, Dauerwelle, Glättung) sinnvoll?

Chemisch behandeltes Haar richtig pflegen: Was Ihre Längen jetzt wirklich brauchen

Chemisch behandeltes Haar kann fantastisch aussehen – oder völlig überfordert wirken: stumpf, brüchig, schwer kämmbar. Farbe, Blondierung, Dauerwelle oder Glättung haben eines gemeinsam: Sie greifen in die innere Architektur des Haares ein. Je stärker die Veränderung, desto sensibler wird die Faser. Entscheidend ist deshalb eine Pflege, die genau dort ansetzt, wo die Behandlung das Haar geschwächt hat. Im Folgenden lesen Sie, was chemische Prozesse im Haar tatsächlich verändern, welche Pflegeschritte sinnvoll sind – und worauf Sie im Alltag achten sollten, damit Glanz und Spannkraft möglichst lange erhalten bleiben.


Was chemische Behandlungen mit Ihrem Haar tatsächlich machen

Bei allen chemischen Behandlungen wird die Haarstruktur gezielt geöffnet und umgebaut. Die äußere Schuppenschicht (Cuticula), die das Haar normalerweise schützt und für Glanz sorgt, wird dabei angegriffen, teilweise angehoben oder verletzt.

  • Färben und Tönen dringen in die Haarfaser ein, um neue Farbpigmente einzulagern. Dafür wird die Oberfläche aufgeraut, damit die Farbmoleküle eindringen können – das Haar wird also nicht nur „eingefärbt“, sondern strukturell verändert.
  • Blondieren gehört zu den belastendsten Behandlungen: Natürliche Pigmente werden oxidativ entzogen. Dabei können Proteine geschädigt werden – das Gerüst, das dem Haar Stabilität gibt. Die Folge: weniger Festigkeit, mehr Bruch.
  • Dauerwelle und chemische Glättung greifen tief im Inneren an. Sie lösen und formen die Schwefelbrücken neu, die für die natürliche Form des Haares verantwortlich sind. Das ermöglicht Locken oder dauerhaft glatte Längen – kostet die Faser aber Widerstandskraft.

Die typischen Konsequenzen liegen auf der Hand: Trockenheit, Spliss, weniger Elastizität, Frizz und eine raue, „griffige“ Oberfläche. Ganz ausgleichen lässt sich das nicht. Aber mit einer gezielten Pflege können Sie die Oberfläche wieder glätten, Feuchtigkeit besser binden und das Risiko für Haarbruch deutlich senken.


So bauen Sie eine sinnvolle Pflegeroutine für chemisch behandeltes Haar auf

Eine wirksame Routine muss nicht aus zehn Produkten bestehen. Wichtiger ist, dass die Schritte logisch aufeinander aufbauen.

1. Mild reinigen
Greifen Sie zu einem sanften Shampoo, das die Kopfhaut zuverlässig von Talg und Stylingresten befreit, die Längen aber nicht zusätzlich austrocknet. Tragen Sie das Shampoo vor allem am Ansatz auf; die Längen werden beim Ausspülen ausreichend mitgereinigt.

2. Reichhaltige Spülung nach jeder Wäsche
Bei chemisch behandeltem Haar ist ein Conditioner nach jeder Wäsche nicht optional, sondern Basisprogramm. Er schließt die aufgequollene Schuppenschicht wieder an, sorgt für bessere Gleitfähigkeit beim Kämmen und senkt damit die mechanische Belastung – sprich: weniger Abrieb und weniger Bruch.

3. Wöchentliche Intensivpflege
Einmal pro Woche lohnt sich eine Kur oder Maske mit pflegenden Fetten und feuchtigkeitsspendenden Wirkstoffen. Sie polstert die Faser gewissermaßen auf, gleicht Feuchtigkeitsdefizite aus und macht das Haar fühlbar geschmeidiger.

4. Leave-in-Produkte als Schutzschild
Leichte Leave-ins – ob Spray, Creme oder ein paar Tropfen Öl – legen sich wie ein dünner Film um das Haar. Sie reduzieren Reibung, schützen vor Auseinanderfasern der Spitzen und mindern das Austrocknen durch Heizungsluft, Sonne oder Wind.

5. Hitzeschutz bei jedem Styling
Föhn, Glätteisen und Lockenstab sind für chemisch behandeltes Haar immer eine zusätzliche Belastung. Ein Hitzeschutz kann zwar nicht zaubern, aber er reduziert den Schaden spürbar. Wichtig: nicht nur bei hohen Temperaturen, sondern konsequent bei jeder Form von Hitzestyling verwenden.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

Vieles, was man „schon immer so gemacht hat“, funktioniert bei strapaziertem Haar nicht mehr gut.

  • Zu häufiges Waschen: Wer täglich wäscht, entzieht den Längen immer wieder Lipide und Feuchtigkeit. Wenn möglich, die Abstände zwischen den Wäschen etwas vergrößern und bei Bedarf mit Trockenshampoo überbrücken.
  • Grobes Rubbeln mit dem Handtuch: Nasses Haar ist generell empfindlicher, chemisch behandeltes ganz besonders. Starkes Rubbeln rauht die Schuppenschicht weiter auf und begünstigt Bruch.
  • Zu hohe Hitze beim Styling: Sehr heiße Glätteisen oder Lockenstäbe „backen“ die ohnehin geschwächte Struktur regelrecht durch. Besser: moderate Temperaturen und weniger Durchgänge.
  • Mehrfachbehandlungen in kurzer Zeit: Direkt nach einer Blondierung nachfärben, wiederholt nachglätten oder ständig „korrigieren“ lässt das Haar irgendwann kippen – dann hilft nur noch radikales Kürzen.
  • Zu aggressive Bürsten: Bürsten mit harten, schlecht entgrateten Borsten oder Kämme mit scharfen Kanten verletzen die Schuppenschicht und reißen einzelne Haare aus. Für strapaziertes Haar ein unnötiges Risiko.

Erprobte Tipps für geschmeidiges, chemisch behandeltes Haar

Mit ein paar konsequenten Anpassungen lässt sich der Zustand chemisch behandelter Längen oft überraschend deutlich verbessern:

  • Sanft trocknen: Wasser nicht auswringen oder rubbeln, sondern mit einem weichen Handtuch vorsichtig ausdrücken oder die Haare in ein Handtuch oder Mikrofaser-Turban einwickeln.
  • Breitzinkiger Kamm: Nasses Haar immer zuerst in den Spitzen entwirren und sich dann langsam nach oben arbeiten. Ein grobzinkiger Kamm oder eine spezielle Entwirrbürste reduziert Zug und Haarbruch.
  • Spitzen regelmäßig schneiden: Spliss verschwindet nicht durch Pflege. Regelmäßiges Nachschneiden verhindert, dass sich Risse weiter nach oben fressen und lässt Längen sofort gepflegter wirken.
  • Sonnenschutz bedenken: UV-Strahlen lassen Farbe verblassen und trocknen das Haar zusätzlich aus. Eine Kappe, ein Hut oder Tücher sind einfacher Schutz – gerade bei blondiertem oder sehr hell gefärbtem Haar.
  • Stylingpausen einplanen: Gönnen Sie Ihrem Haar Tage ohne Hitze und möglichst ohne festes Styling. Lufttrocknen, sanfte Zöpfe oder Dutts entlasten die Faser spürbar.
  • Auf das Haargefühl achten: Fühlt das Haar sich trotz Pflege strohig, brüchig oder sogar gummiartig an, ist das ein Warnsignal. In diesem Fall Behandlungsabstände deutlich verlängern oder vorerst ganz aussetzen und die Pflege vereinfachen.

Kurz zusammengefasst

Chemische Behandlungen greifen tief in die Struktur des Haares ein und machen es deutlich anfälliger für Trockenheit und Bruch. Eine sinnvolle Routine setzt auf milde Reinigung, konsequente Verwendung von Conditioner, regelmäßige Intensivpflege und ein passendes Leave-in als Schutzfilm. Schonender Umgang im Alltag – sanftes Trocknen, vorsichtiges Entwirren, möglichst wenig Hitze – entscheidet dann darüber, ob chemisch behandeltes Haar auf Dauer glänzend und geschmeidig bleibt oder vorzeitig ermüdet.


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