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Wie nachhaltig ist konventionelle vs. zertifizierte Naturkosmetik in Bezug auf Umwelt- und Ressourcenschonung?

Konventionell oder Naturkosmetik: Wie nachhaltig ist Ihre Beauty-Routine wirklich?

Kosmetik soll schön machen – inzwischen aber bitte auch mit halbwegs gutem Gewissen. Viele Menschen achten nicht mehr nur auf „ohne Parabene“ oder „sensitiv“, sondern fragen sich: Wie stark belastet dieses Produkt eigentlich Umwelt und Ressourcen?

Zwischen klassischer (konventioneller) Kosmetik und zertifizierter Naturkosmetik gibt es dabei deutliche Unterschiede – und einige Grauzonen dazwischen. In diesem Text geht es darum, wie sich beide Systeme aus Umweltsicht unterscheiden, wo die Grenzen liegen und worauf Sie im Alltag tatsächlich Einfluss haben.


Was Nachhaltigkeit in der Kosmetik wirklich bedeutet

„Nachhaltig“ klingt nach Naturbildern und grünen Blättern auf der Verpackung, heißt aber in der Kosmetik wesentlich mehr als „natürliche Inhaltsstoffe“. Entscheidend sind vor allem:

  • Herkunft und Gewinnung der Rohstoffe
  • Auswirkungen auf Böden, Wasser, Luft und Biodiversität
  • Energieverbrauch und Emissionen bei Herstellung und Transport
  • Art und Menge der Verpackung sowie deren Wiederverwertbarkeit

Konventionelle Kosmetik arbeitet überwiegend mit synthetischen Stoffen, oft auf Basis von Erdöl. Das ist in der EU streng reguliert, aber eben nicht primär mit Blick auf Umwelt, sondern auf Sicherheit und Gesundheit.

Zertifizierte Naturkosmetik setzt mehrheitlich auf Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs, viele davon aus kontrolliertem Anbau. Sie unterliegt zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben bestimmten Standards, die von Zertifizierungsstellen geprüft werden.

Wichtig ist die Begrifflichkeit:
„Natürlich“ ist rechtlich nicht geschützt und kann vieles oder wenig bedeuten. „Zertifizierte Naturkosmetik“ dagegen folgt klar definierten Regeln – welche genau, hängt vom jeweiligen Siegel ab.


Konventionell vs. zertifiziert: Worin sich die Systeme unterscheiden

Konventionelle Kosmetik hat bei der Rezeptur große Spielräume:

  • Synthetische Inhaltsstoffe und Mineralölderivate sind üblich.
  • Gesetzliche Vorgaben betreffen vor allem Gesundheitsschutz, Produktsicherheit und Kennzeichnung – ökologische Aspekte spielen eine untergeordnete Rolle.
  • Maßnahmen zu Nachhaltigkeit (z. B. recycelte Verpackungen, klimareduzierte Produktion) sind in der Regel freiwillige Unternehmensentscheidungen.

Zertifizierte Naturkosmetik arbeitet mit zusätzlichen Einschränkungen und Leitlinien:

  • überwiegend natürliche oder naturnahe Rohstoffe
  • meist strenge Vorgaben oder Verbote für Erdölprodukte, Silikone, bestimmte synthetische Duft- und Farbstoffe
  • oft ein Mindestanteil an bio-zertifizierten Rohstoffen
  • Regelungen zu Tierversuchen sind je nach Land bereits gesetzlich verankert, werden aber in Zertifizierungen teilweise nochmals konkretisiert
  • häufig strengere Vorgaben zu Mikroplastik und anderen umweltrelevanten Hilfsstoffen

Für die Umwelt bedeutet das tendenziell:

  • geringerer Einsatz endlicher Rohstoffe wie Erdöl
  • stärkerer Fokus auf erneuerbare Rohstoffe, die bei nachhaltiger Bewirtschaftung ressourcenschonender sein können
  • in vielen Fällen eine bessere biologische Abbaubarkeit von Inhaltsstoffen

Das ist eine grobe Linie, keine absolute Wahrheit: Auch in der Naturkosmetik gibt es Ausnahmen, ebenso wie es konventionelle Produkte mit sehr ambitionierten Umweltstandards gibt.


Wo häufig Missverständnisse und Denkfehler entstehen

„Naturkosmetik ist automatisch immer nachhaltig“

Ein Siegel verbessert vieles – aber nicht alles. Zertifizierte Naturkosmetik reduziert bestimmte Belastungen, etwa durch problematische Kunststoffe oder Mineralölbestandteile. Trotzdem kann die Umweltbilanz schwach ausfallen, zum Beispiel wenn:

  • pflanzliche Rohstoffe über weite Strecken transportiert werden
  • Anbau in Form großer Monokulturen erfolgt
  • intensive Bewässerung nötig ist und lokale Wasserressourcen belastet

Ein „grünes“ Produktbild ersetzt keine Betrachtung der gesamten Lieferkette.

„Konventionelle Kosmetik ist per se schlecht für die Umwelt“

Umgekehrt ist auch das zu kurz gegriffen. Viele konventionelle Hersteller arbeiten inzwischen an:

  • energieeffizienteren Produktionsverfahren
  • CO₂-Reduktions- und Kompensationsprogrammen
  • Verpackungen mit höherem Recyclinganteil oder Nachfüllsystemen

Es ist durchaus möglich, dass ein konventionelles Produkt – dank optimierter Produktion, regionaler Herstellung und durchdachter Verpackung – insgesamt eine bessere Umweltbilanz hat als ein naturkosmetisches Produkt mit problematischer Rohstoff- oder Transportseite.

„Natürlich = verträglicher und sicherer“

Auch das stimmt so nicht. Verträglichkeit ist individuell:

  • Pflanzliche Inhaltsstoffe können Allergien und Reizungen auslösen.
  • Ätherische Öle sind „natürlich“, aber nicht automatisch mild.

Nachhaltigkeit und Hautverträglichkeit sind zwei voneinander unabhängige Kriterien. Wer empfindliche Haut hat, sollte im Zweifel eher auf die eigene Reaktion und eine klare Deklaration achten als auf das Versprechen „natürlich“.


Worauf Sie ganz praktisch bei der Produktauswahl achten können

Sie müssen sich nicht komplett neu ausstatten, um umweltbewusster zu handeln. An ein paar Stellschrauben können Sie relativ einfach drehen – unabhängig davon, ob Sie konventionelle oder zertifizierte Naturkosmetik nutzen.

  • Zertifizierungen prüfen
    Achten Sie auf etablierte Siegel für Natur- oder Biokosmetik. Sie signalisieren, dass zumindest ein definierter Mindeststandard an Umwelt- und Ressourcenkriterien eingehalten wird – und grenzen reines „Greenwashing“ ein.

  • Inhaltsstoffe grob einordnen
    Pflanzliche Öle, Wachse und Extrakte stammen in der Regel aus nachwachsenden Rohstoffen. Erdölbasierte Stoffe und bestimmte Kunststoffe belasten Ressourcen stärker und können in der Umwelt persistenter sein. Es geht nicht darum, jede INCI-Liste auswendig zu können, sondern grobe Tendenzen zu erkennen.

  • Verpackung bewusst wählen
    Recycelbare Materialien (z. B. Glas, sortenreines Plastik), Nachfüllsysteme oder größere Gebinde verringern Müllaufkommen. Ein hoch „natürliches“ Produkt in aufwendiger Plastikverpackung ist ökologisch nicht automatisch im Vorteil.

  • Weniger, aber gezielt verwenden
    Jede Flasche, jede Tube verbraucht Rohstoffe – unabhängig vom System. Wer weniger Produkte nutzt und sie sparsamer dosiert, senkt den Gesamtverbrauch deutlich, ohne dass die Pflegeroutine zwangsläufig schlechter wird.

  • Regionale und saisonale Rohstoffe bevorzugen
    Wo angegeben, lohnt sich ein Blick auf Herkunft und Art der Rohstoffe. Produkte mit regional gewonnenen Ölen oder Pflanzenextrakten können durch kürzere Transportwege und angepasste Anbauweisen im Vorteil sein.


Kurz zusammengefasst

Zertifizierte Naturkosmetik ist in vielen Punkten ressourcenschonender aufgestellt: Sie setzt stärker auf erneuerbare Rohstoffe und schränkt bestimmte erdölbasierte oder schwer abbaubare Stoffe ein. Das macht sie aus Umweltsicht oft, aber nicht automatisch, zur besseren Wahl.

Konventionelle Kosmetik ist nicht grundsätzlich „unnachhaltig“, sondern bewegt sich in einem anderen Regelsystem. Einzelne Marken und Produkte können über effiziente Produktion, angepasste Rezepturen und intelligente Verpackung ebenfalls eine solide Umweltbilanz erreichen.

Entscheidend für Ihre eigene Beautyroutine ist weniger das Etikett „konventionell“ oder „Naturkosmetik“ allein, sondern die Kombination aus:

  • Art und Herkunft der Inhaltsstoffe
  • Verpackung und deren Lebensdauer
  • Menge und Vielfalt der Produkte, die Sie verwenden
  • Ihrem Umgang damit (Verbrauch, Entsorgung, Nachfüllen)

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