Als „subversiver Parfümeur" hat sich der 1966 in Straßburg geborene Antoine Lie einen Namen gemacht, der kommerzielle Meisterwerke und avantgardistische Nischenkreationen gleichermaßen umfasst. Seine Ausbildung begann an der Roure Perfumery School in Grasse unter Jean Guichard, dessen Assistent er 1991 wurde. Ab 1993 vertiefte er sein Handwerk bei einem US-Aufenthalt unter der Leitung von Jean Amic.
Bei Givaudan schuf Lie Düfte, die in die Geschichte der Herrenparfümerie eingingen: 1999 entstand Romance for Men für Ralph Lauren, 2004 folgte das ikonische Armani Code für Giorgio Armani. Im selben Jahr bewies er mit Crystal Noir für Versace seine Fähigkeit, auch für Damen opulente Kompositionen zu schaffen.
Eine besonders fruchtbare Zusammenarbeit verband Lie mit Etat Libre d'Orange. Hier entstanden 2006 provokante Kreationen wie Secretions Magnifiques, Rien und Divin'Enfant sowie Je Suis un Homme — Düfte, die bewusst Grenzen ausloteten. 2008 folgte Tom of Finland als weitere Grenzüberschreitung. Für Comme des Garcons schuf er Daphne (2009) und Wonderwood (2010), gemeinsam mit Ellen Molner entstand Azure Lime für Tom Ford (2010).
Eine langjährige kreative Partnerschaft mit Jan Ewoud Vos, dem Gründer von Puredistance, brachte Kompositionen wie Black (2013), White (2015), Warszawa (2016), Aenotus (2019), Gold (2019) und M V2Q (2022) hervor. 2018 gründete Lie in Paris sein eigenes Haus ALOE (Antoine Lie Olfactive Experience) und ist Mitglied der Free Perfumers Society — ein Schritt in die kreative Unabhängigkeit, der seine Philosophie konsequent fortführt: unerwartete Materialien wie Vinyl, Metall und Äther mit klassischer Technik zu verbinden.